Die Ausgangslage: §71 GEG verändert die Spielregeln
Seit dem 1. Januar 2024 müssen neue Heizungsanlagen in Großstädten zu mindestens 65 % aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Das macht die Frage „Wärmepumpe oder Gasheizung?" zu einer Compliance-Frage — nicht nur zu einer Wirtschaftlichkeitsfrage.
Dieser Artikel gibt eine sachliche Entscheidungshilfe für Hausverwaltungen.
Wann ist die Wärmepumpe die bessere Wahl?
Die Wärmepumpe ist in folgenden Konstellationen klar vorzuziehen:
Gut gedämmte Bestandsgebäude (EnEV 2009 oder besser): Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Gut gedämmte Gebäude mit Flächenheizung sind ideal.
Objekte in Kommunen mit Wärmeplan: Wenn die Gemeinde keine Fernwärme plant, ist die Wärmepumpe die zukunftssicherste Lösung.
Neubau oder Kernsanierung: Bei ohnehin notwendigen Umbaumaßnahmen lassen sich Wärmepumpen wirtschaftlich integrieren.
Wann kann Gas noch sinnvoll sein?
In bestimmten Situationen bleibt Gas die pragmatische Wahl — auch nach 2024:
Altbau mit hohem Vorlauftemperaturbedarf: Nicht sanierte Gebäude mit alten Heizkörpern brauchen hohe Vorlauftemperaturen. Wärmepumpen arbeiten hier ineffizient.
Übergangslösung bei Havarie: Bei einem Heizungsausfall gilt eine 3-Jahres-Übergangsfrist — hier kann ein Gasgerät als Brücke sinnvoll sein.
Objekte in geplanten Fernwärme-Ausbaugebieten: Wenn die Gemeinde Fernwärme für das Gebiet plant, ist eine teure Wärmepumpen-Installation möglicherweise eine Fehlinvestition.
Die entscheidenden Fragen vor jeder Investition
- In welchem Gebiet liegt das Objekt laut kommunalem Wärmeplan?
- Wie hoch ist der Wärmebedarf und welche Vorlauftemperatur ist nötig?
- Wie ist der energetische Zustand der Gebäudehülle?
- Wie lange soll die Anlage betrieben werden (Restnutzungsdauer)?
- Welche Fördermittel stehen zur Verfügung (BEG)?
Wirtschaftlichkeit: Was die Zahlen sagen
Die Betriebskosten einer Wärmepumpe hängen stark vom Strompreis und der JAZ (Jahresarbeitszahl) ab. Bei einer JAZ von 3,5 und einem Strompreis von 0,30 EUR/kWh entstehen Heizkosten von etwa 0,086 EUR/kWh Wärme — vergleichbar mit Gas bei 0,07–0,10 EUR/kWh.
Der Vorteil der Wärmepumpe liegt in der regulatorischen Sicherheit: Kein Risiko von CO₂-Aufschlägen auf fossile Brennstoffe, keine §71-Compliance-Probleme bei künftigen Investitionen.
Fazit für Hausverwaltungen
Es gibt keine universelle Antwort. Jedes Objekt braucht eine individuelle Prüfung. Die wichtigste Voraussetzung: ein vollständiger Überblick über das Portfolio mit Gebäudedaten, Anlagenalter und kommunalem Wärmeplan-Status.
GEGCheck hilft dabei, genau diesen Überblick herzustellen — systematisch und ohne Excel-Aufwand.